Schankwirtschaft, Kolonialwaren & Bäckerei
kleiner Trext hier
Ballin am Verlaat in Westgroßefehn
Schankwirtschaft, Kolonialwaren & Bäckerei Friedrich Ballin. Er kommt 1890 aus Aurich, übernimmt als Bäckermeister und Verlaatswirt das Verlaatshaus (neu erbaut um 1875) bei der Schleuse 1 in Westgroßefehn. (Verlaat= Schleuse) Im Hintergrund rechts ist ein hoher Schornstein zu erkennen. Er gehört zu einer Dampfmaschine, die nötig ist, weil beim Durchschleusen von Schiffen jedesmal Wasser aus dem Kanal verloren geht. Früher musste dieses Wasser mühselig mit einer Windmühle in den Kanal zurückgepumpt werden; seit 1858 übernahm das nun eine Dampfmaschine mit sechs Pferdestärken. Um deren Sogkraft von den wartenden Schiffen vor der Schleuse fernzuhalten, wurde extra ein Zuleitungsgraben von der Flumm her angelegt.
Ein liebenswertes Detail auf dem Foto ist die auffällige Zahl von Fahrrädern. Sie beweist einerseits, wie viele Menschen schon ein solch modernes Fahrzeug hatten, und andererseits, mit welchem Stolz sie damit herbeieilten, sobald ein Fotograf auftauchte.
Ein Brief um 1690
Autorin: Kerstin Buss, Geschichtswerkstatt Fehnmuseum Eiland
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Die Anfänge
Ein Brief um 1690 erzählt, wie schnell die ersten Fehntjer Fuß fassen konnten
Es ist der Brief des Hatshausener Pastoren Matthias Cadovius an seinen Landesfürsten Christian Eberhard.
Der Heimatforscher Heinrich Tebbenhoff schreibt in seiner Geschichte von Großefehn über diesen Brief:1 „… ist obiger Bericht des Hatshausener Geistlichen an seinen Fürsten nicht - wenn auch unbeabsichtigt – eine Bestätigung des unermüdlichen Fleißes und der Tüchtigkeit der ersten Siedler, die in so wenigen Jahrzehnten es zu solidem Wohlstand bringen konnten?“
Cadovius war von 1680 - 1690 Pastor in Ayenwolde und „hat wohl noch einige Zeitgenossen der ersten Besiedlung des Fehns kennengelernt.
Der Brief an seinen Landesfürsten ist eine einzige Beschwerde gegen die „Westpfälinger“, die „bei ihrer Ankunft blutarm gewesen, nun aber grundreich“ geworden seien. Diesen Fremdlingen sei vor Jahren gegen ein ganz geringes Geld ein großer Distrikt Morast am Hatshauser (Fehntjer) Tief von den dortigen Bauern zum Abgraben überlassen worden, durch das Abgraben des „profitablen Torfes“ hätten sie „Dausende erbeutet“.
Ihr eigenes Land auf „deren Vehnen“ verwandelten die „Westpfälinger“ aus einstigen Sümpfen und Morästen in allerbestes Land „da nun der schönste Rocken und Gerste wächst“.
Das angegrabene Moor aber habe große Wassermassen frei gemacht, die nun die abgetorften Meedlande der Dörfer überschwemmten; diese seien dadurch als Weide- und Ackerland durchaus unbrauchbar geworden.
So behauptet Cadovius weiter, vor der Abtorfung, also vor 1634, hätten die Hausleute (=Geestbauern) jährlich 20 Stück und mehr Ochsen verkaufen können; da nun die Meedlande so verdorben seien, könnten die Hausleute nur ein Viertel ihres früheren Viehbestandes halten.
Es sei aber höchst ungerecht, dass die Hausleute die Schatzung (=Steuern) allein aufbringen müssten, während die „Westpfälinger“ fast nichts an Schatzung für die Hochfürstliche Durchlaucht zahlen.
Cadovius gibt seinem Landesherren den Rat, auch die reichen und trotzigen Fremdlinge zur erhöhten Steuerzahlung heranzuziehen, um so die Einnahmen des Fürsten zu vermehren.“
So einfach war das für den ostfriesischen Fürsten nicht. Er musste bei Steuererhöhungen die Landstände um Zustimmung ersuchen. „Die Landstände (Adel, Städte und Landgemeinden) haben den Fehnen durch milde Behandlung sehr genützt.
Bis 1750 haben die Fehne keine Steuern gezahlt; dann wurde ihnen gemeindeweise eine leidliche Steuer auferlegt, die trotz des stetigen Wachstums der Fehne nicht erhöht wurde, so dass sich für die einzelnen die Last von Jahr zu Jahr erleichterte.“ 2
(Heinrich Tebbenhoff, Großefehn, Seine Geschichte, Bremen, 1963, S. 18f)
- Tebbenhoff zitiert aus einer Akte des Staatsarchivs Aurich, Rep 4B IV m 71. Back to reference ↥
- Hierbei beruft sich Tebbenhoff auf Alfred Hugenberg, Innere Colonisation im Nordwesten Deutschlands, Straßburg, 1891, S.102 Back to reference ↥
Zeichnung des Gasthofes Helgoland
in Westgroßefehn.
Postkarten um 1900
aus Westgroßefehn.
Kompagniehaus
Postkarte um 1900: das Kompagniehaus (1966 abgerissen) mit Frerichsbrücke, im Hintergrund das Müllerhaus und die Mühle.
Westgroßefehn
Diese alte Postkarte zeigt Westgroßefehn mit dem Schleusenhaus, Cassens Besitzung, Onken's Mühle und einer Schleusen-Ansicht.
Der Großefehnkanal
im Jahr 1934
Die Fehntjer
Die ersten Siedler
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Die Fehntjer
Die ersten Siedler im Gebiet des heutigen Westgroßefehn waren überwiegend unvermögende Bauernsöhne und Knechte aus den umliegenden Geestdörfern. Daneben gab es Zuwanderung aus Westfalen. Das Geld für das gepachtete Kolonat verdiente man sich als Kanalarbeiter bei der Fehngesellschaft und durch den Verkauf des selbstgegrabenen Torfes. Auf der abgetorften Fläche in der Nähe des Kanals errichtete sich der Siedler wahrscheinlich erst einmal eine einfache Hütte oder mietete eine Kammer bei den Altkolonisten.
Als sich nach 1800 der Kartoffelanbau durchsetzte, konnte sich jedermann Schweine halten.
Nach Jahren sparsamster Lebensführung war der Kolonist in der Lage, einen Kredit für ein gebrauchtes Torfschiff aufzunehmen. Nun konnte er als unabhängiger Torfschiffer den Torf nach Emden und in die Krummhörn liefern und verkaufen. Als Rückfracht wurde Emder Straßendreck oder Kleiboden geladen und zur Verbesserung auf den abgetorften Boden gebracht. Wenn die Fehnstelle abgetorft war, die wegen ihrer geringen Fläche sowieso nur eine Eigenversorgung ermöglichte, mussten sich die Kolonisten etwas Neues einfallen lassen. Viele wurden Frachtschiffer und befuhren die Ems, das Wattenmeer und die Küstengewässer.
Diese auf drei Säulen ruhende Existenzform der Fehnbewohner: Torfgräber, Kleinbauer und Schiffer bezeichnete man von nun an als Fehntjer. Es entstand ein zupackender, anpassungsfähiger und weltoffener Menschenschlag.
Wenn der Fehntjer zu Ersparnissen gekommen war, so baute er aus roten Steinen ein Fehnhaus. Es ist nichts anderes als eine kleinere Form des ostfriesischen Bauernhauses.
Text aus: Lüderitz Timmel und Westgroßefehn Ein Überblick für Touristen, Manuskript o.J.
Die Frerichsbrücke
Blick auf die Frerichsbrücke 1946
Frerichsbrücke mit Haus Tjarks
Frerichsbrücke 1946 mit dem Haus Tjarks
Blick auf das Eiland
Das heutige Museum Eiland
Die Blütezeit Westgroßefehns
Aus Lüderitz, Timmel und Westgroßefehn, Manuskript
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Die Blütezeit
Die wirtschaftliche Blütezeit Westgroßefehns lag im 19. Jahrhundert. Damals entstanden die meisten ortsprägenden Häuser. Sägemühlen, Holzhandel, Mühlen, Schiffswerften, zahlreiche kleinere Geschäfte und Gastwirtschaften zeugten von einem lebhaften wirtschaftlichen Treiben in Westgroßefehn.
Der Torfabbau hatte sich längst nach Ostgroßefehn verlagert, aber der Bedarf an Torf- und Seeschiffen ließ Westgroßefehn aufblühen. Die älteste Werft entstand vermutlich noch vor 1700 am Butendeep gegenüber dem Eiland. Eine weitere Werft führte den Namen "Zeldenrüst" (Selten Ruhe). Sie lag an der Einmündungsstelle des Fehnkanals in die Flumm unterhalb des 1. Verlaates (der Schleuse). Diese Werft baute neben Binnenfahrern auch Küsten- und Seeschiffe.
Zuletzt war die Werft im Besitz der Familie Cassens. Es wurden Schiffe über 200 RT (Registertonnen) gebaut.
1892 lief hier das letzte Seeschiff, der Schoner „Anton" vom Stapel.
Um die Jahrhundertwende wurde der Frachtenmarkt schlecht für die kleinen Segler. Es wurden jetzt größere Schiffe mit eisernen Rümpfen und Maschinenantrieb vom Markt verlangt. Die Zeit „der hölzernen Schiffe mit eisernen Besatzungen" war vorbei.
Wegen der Enge der Fehnkanäle konnten die Fehnwerften keine größeren Schiffe abliefern. Die Seeschiffswerften gingen ein oder wechselten ihren Standort.
Das Fehnmuseum Eiland
Heute ein Museum
Das Fehnmuseum 1989
Das heutige Fehnmuseum Eiland, im Zustand vor 1989
Der gesamte Komplex „Eiland“ in Westgroßefehn hat für die geschichtliche Darstellung der Entstehung des „Großen Vehn’s“ und darüber hinaus heute für die Präsentation der Gemeinde, auch im Bereich des Tourismus eine herausragende Bedeutung. Nach abgeschlossener Renovierung des Hauptgebäudes und der Gattersäge wurde 1992 die Gebäude als Fehnmuseum eingeweiht.
Das Museum wird heute vom Verein „Fehnmuseum e. V.“ geführt und von der Gemeinde unterstützt.
Das Fehnmuseum heute
Das Fehnmuseum Eiland, im heutigen Zustand. Die Museumsanlage auf dem „Eiland“ besteht im Wesentlichen heute aus dem eigentlichen Museumsgebäude das bereits im Jahr 1991/92 vollständig restauriert wurde. Daneben gibt es ein Sägewerk (Gattersäge) mit Schmiede, ein „Arbeiterwohnhaus“ und einen Bootshafen. Auch wurde eine „Fehnbibliothek" etabliert.
Im Jahre 2004 wurden umfangreiche Ergänzungen (z.B. Vergrößerung der Flächen für die Teestube, Einbau einer größeren Kücheneinrichtung,separates Toilettengebäude) vorgenommen.
Die Mühlen in Großefehn
Großefehn ist bekannt als das "5-Mühlen-Land".
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Von den ehemals 19 Windmühlen wirken heute noch fünf Reet
gedeckte Galerie-Holländer Windmühlen.
Für heutige Besucher Großefehns sind die insgesamt fünf Mühlen auf dem Gebiet der Gemeinde beliebte Anziehungspunkte, an denen sich die große Bedeutung der Windmühlen in früheren Zeiten nur schwer ablesen lässt.
Um 1920 gab es auf Großefehn noch elf Mühlen, die zum Mahlen von Getreide, zum Sägen von Bauholz oder zum Hochpumpen des abgeschleusten Wassers an den „Verlaaten“ (Schleusen) in den Hauptkanal benutzt wurden.
Eine eigene Kornmühle stand den Großefehntjern in ihrer Anfangszeit erst nicht zur Verfügung. Es wurde erwartet, dass sie die Mühlen in den umgebenden Dörfern nutzten. Diese Regelung für die dort ansässigen Müller sehr einträglich. So blockierten sie erste Versuche, in Großefehn selbst eine Kornmühle zu bauen, über dreißig Jahre nach Kräften. Erst die jahrelangen Bemühungen eines besonders hartnäckigen Fehntjers brachten 1770 die königliche Erlaubnis, in Großefehn eine Kornmühle errichten zu dürfen.
Der Bedarf an Bauholz auf dem Fehn führte 1792 zur Ansiedlung einer Sägemühleauf dem Eiland. Sie florierte jedoch erst nach dem Abzug der Franzosen 1813, als sie um einen Holzhandel erweitert wurde und damit als Zulieferer für die verschiedenen Schiffbauer vor Ort tätig werden konnte.
Der Betrieb einer Mühle war bis ins 20. Jahrhundert bei richtiger Führung eine sehr einträgliche Beschäftigung. Die Ansiedlung neuer Mühlen war über Jahrhunderte vom Zunftzwang begrenzt. So konnte der Bau neuer Mühlen durch die alteingesessenen Müller leicht be- oder sogar verhindert werden. Ein großes Risiko bestand allerdings im Charakter der Mühlen als weit und breit höchste Punkte im flachen Ostfriesland, der sie zu leichten Zielen für Blitzeinschlägemachte: in Timmel kam es 1771/72 innerhalb von zwölf Monaten zweimal zur Zerstörung der dortigen Mühle bei Gewitter, und auch die erste Großefehntjer Kornmühle brannte 1880 und 1888 jeweils durch Blitzeinschläge bis zur Galerie ab, was den Müller zur Aufgabe seines Geschäftes trieb.
Westgroßefehn um 1900
Ein Blick von der Kanalbiegung auf die alten Häuser.
Westgroßefehn um 1900
Westgroßefehn um 1900 – ein Blick von der Kanalbiegung auf die alten Häuser Onneken, Schmiede Mork, das Compagniehaus mit dem heruntergezogenen Dach, das Müllerhaus und die Onkensche Kornmühle.
Auf der anderen Kanalseite Stellmacherei Brunken und die Giebel der Häuser Tjarks und Frerichs.
Insgesamt ein friedvolles Bild des Fehnortes vor der Motorisierung.
Westgroßefehn Mitte des 20. Jahrhunderts
Ein Foto Mitte des 20. Jahrhunderts
Ein Bild aus Westgroßefehn
Links das Compagniehaus mit dem weit heruntergezogenen Dach und den beiden (!!) Schornsteinen. Rechts die Häuser Tjarks-Roelfs und Frerichs, dann, schwach erkennbar, das Haus Saathoff-Müller sowie der Giebel des Hauses von Ballin.
Frerichsbrücke und die Kornmühle runden das Bild ab.
Das Compagniehaus in Westgroßefehn
Ein Foto von 1951
Das Compagniehaus
Das Compagniehaus in Westgroßefehn, so wie es von 1778 bis zu seinem Abriss 1965 das Ortsbild prägte.
Es ist schon das zweite an diesem Standort: denn schon 1647, nur 14 Jahre nach der Gründung, hatten sich die Herren der Fehngesellschaft ein erstes Haus für ihre regelmäßigen Besuche auf dem Fehn gebaut. Es war immer verpachtet als Schankwirtschaft, Bäckerei und Geneverbrennerei.
Das Compagniehaus Westgroßefehn im Luftbild
Schön erkennt man die großen Gartenflächen, die dem letzten Besitzer Kortmann Raum für die Anfänge seines Gartenbaubetriebes bot.
Zum Schmunzeln kann erwähnt werden, dass es sich beim grauen Quader am rechten Bildrand um das örtliche Pissoir handelte.
Die Compagniehäuser
Aus: Siegfried Lüderitz, Das Große Veen, Manuskript, o.J.,S.4,5
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Die Versammlungs- und Verwaltungshäuser
Für Versammlungs- und Verwaltungszwecke richteten die Obererbpächter Compagniehäuser ein. Häufigster Benutzer war der Mandatar, der dort häufig übernachten musste. Die Compagniehäuser wurden an Untererbpächter vergeben, die das Recht erhielten, dort den Ausschank, die Brauerei, Bäckerei, den Einzelhandel und die Geneverbrennerei zu betreiben. Der Pächter des Compagniehauses im heutigen Westgroßefehn war zugleich Schleusenmeister.
Die wichtigste Person für die Großefehngesellschaft war der Buchhalter auf dem Fehn, der später als Mandatar bezeichnet wurde. Er wohnte lange außerhalb, so der Mandatar Warner Anton Ennen in Aurich.
Der 23. Juni 1786 verlief so:
Mit dem Fuhrmann Jacobs fährt Ennen nach Großefehn, um dort Torf auszumessen und um Arbeiten am Kanalbau auszugeben, der etwa die Linie der heutigen Bundesstraße B 72 erreicht hat.
Er übernachtet im Compagniehause, gelegen im heutigen Westgroßefehn.
Am 24. Juni fährt er zurück.
Er bezahlt an den Pächter des Compagniehauses Biergeld (Ausgaben für Arbeitskräfte), notiert Ausgaben für mitgenommenen Tabak und Tabakspfeifen.
Die Zeche des Mandatars dagegen wird vom Untererbpächter des Compagniehauses notiert und in größeren Abständen nach einer Verzehrliste abgerechnet.
Sie gibt uns Aufschlüsse über die Speisezettel der Fehnherren und des Mandatars vor 200 Jahren.
Der Mandatar verbraucht am 9./ 10. Februar 1801:
- Morgens: Kaffee und Butterbrot, Heu und Hafer für die Pferde, Essen und Trinken für den Knecht
- Mittags: Kohl und gebratene Enten, vier Flaschen Wein und ein Krug Bier, Tabak, ½ Verdup (25 l) Hafer und Heu
Mittagessen für den Knecht, ¼ Pfd. Tabak - Am Vorabend: Schinken und Butterbrot, zwei Krug Bier, ein Viertelkrug Branntwein, eine Flasche Wein, Tabak und drei Pfeifen, ½ Verdup Hafer und Heu.
Die Quartiergebung im Compagniehause war genau geregelt:
- Die große Kammer soll der Compagnie jederzeit mit Lettkanten (Bettstellen), guten Betten und Zubehör zum unentgeltlichen Gebrauche vom Heuermann bereitgehalten werden.
- Die Compagnie behält sich einen separaten Eingang sowie die Scheune an der Kammerseite vor.
- Der Heuermann muss die um die Fenne (Flurstück) verlaufenden Schlote ausheben, das Haus nebst Tür, Dach und Fenster dichten, und es im gleichen Zustande weitergeben.
- Für die Aufwartung der Compagnie und die Versorgung der Compagniekammer mit Torf und Brand bei Anwesenheit erhält der Heuermann vier Tagewerke Morast zum unentgeltlichen Abtorfen.
Blick auf die Einfahrt des Großefehnkanals
Vor der Sanierung der Schleuse 1986
Einfahrt des Großefehnkanals vor der Sanierung
Blick auf die Einfahrt des Großefehnkanals: im Verfallszustand vor der Sanierung der Schleuse 1986. Die Schleusentore sind entfernt, eine provisorische Spundwand hält mühselig noch einen gewissen Wasserstand im Kanal.
Kanal in Westgroßefehn
Mitte der 1980iger Jahre
Blick kanalabwärts
Mitte der 1980iger Jahre nur noch ein Entwässerungsgraben. Blick von der Frerichsbrücke auf die Schleuse.
Sanierung der Schleuse
Westgroßefehn 1986
Die Schleuse in Westgroßefehn
Aus: Lüderitz Timmel und Westgroßefehn Manuskript o.J., S.8-9
Die Erste wurde 1711 erbaut
Schon 1711 mußte in Westgroßefehn wegen des ansteigenden Geländes, um den Schiffsverkehr zu ermöglichen, ein Verlaat (Schleuse) angelegt werden. Sie war noch aus Holz gebaut. Die Schleusen waren Eigentum der Großefehngesellschaft. Zur Bedienung wurde ein Verlaatsmeister eingesetzt, der auch die von den Torfschiffern zu entrichtenden Gebühren einnahm und an die Großefehngesellschaft weiterleitete.
Ein Problem in den Fehnkanälen war die Wasserhaltung, besonders in den Sommermonaten. Deshalb wurde das bei den Schleusungen abgeflossene Wasser durch Wasserschöpfmühlen zurückgepumpt.
Bereits im Jahre 1784 wurde die Schleuse in Stein neu erbaut und dabei an eine andere Stelle direkt an den Beginn des Fehnkanals zur Flumm hin verlegt. Eine wesentliche Rolle spielte dabei der einflußreiche und bewegliche Frerich Jürgens. Er war daran interessiert, den Schleusenbetrieb von seinem "neuen Haus" zu verlegen, um ruhiger wohnen zu können. An Schleusen ging es damals durchaus unruhig zu, weil bei fehlender Aufsicht Steine an die Schleusentore geworfen wurden, diese beschädigt und durch das Warten der Schiffer, bis vier Schleusungen zusammenkamen, allerhand Lärm und Unannehmlichkeiten entstanden. Die Durchsetzung seiner Interessen war Jürgens sogar eine Reise zum preußischen Königshof nach Potsdam wert.
Jetzt konnte die Schleuse an eine Stelle rücken, wo er auch eine Schiffswerft betrieb.
Die Schleuse wurde dann im Sommer 1784 in einer Bauzeit von nicht einmal zwei Monaten für eine Summe von 2782 Reichstalern erbaut. Für die Restaurierung der Schleuse, fast 200 Jahre später, brauchte man von 1979 - 1981 zwei Jahre.
Die sanierte Schleuse
Westgroßefehn 1986
Sanierte Schleuse in Westgroßefehn.
Blick in die Schleusenkammer in Richtung Eiland und Schevenbrücke. Die neuen Klapptore sind schon eingebaut.
Fehne und Geestdörfer
Der Begriff Fehn leitet sich vom niederländischen Wort „Veen“ ab und bedeutet „Moor“.
Der Begriff „Geest“ stammt aus dem Niederdeutschen und bedeutet „hohes sandiges Land“.
Aufgabenverteilung und Konflikte
Die Aufgabenverteilung in der neu gegründeten Fehnkolonie war in der Theorie klar geregelt: die Pächter arbeiteten und lebten auf ihrer Parzelle, während die Compagnie für den Kanal sorgte und die Tätigkeit der Pächter kontrollierte. Über ihr amtierte die Landesherrschaft in Aurich als oberste Instanz mit Rechten und Pflichten gegenüber der Bevölkerung. Die für ein Gemeinwesen notwendigen Dienste und Aufgaben wie Schule und Kirche sollten dabei durch die bestehenden Strukturen der benachbarten Geestdörfer wahrgenommen werden, derer sich die neue Kolonie bei Bedarf bedienen sollte.
In der Praxis stellte sich die Sache dann etwas anders dar: der Austausch zwischen Fehnkolonie und Nachbardorf war beispielsweise von den oft miserablen Wegen abhängig, deren tägliche Benutzung als Schulweg man vor allem den Kindern der Fehntjer kaum zumuten konnte. Die als Lockmittel gedachte Steuerfreiheit, die den neuen Kolonisten gewährt wurde, sorgte in den Geestdörfern häufig für Eifersucht. Dazu kam der Wunsch der Fehntjer, von ihren Nachbarn unabhängig zu sein.
Der Hauptgrund für viele Konflikte zwischen Fehntjern und Geestbauern war das im Verständnis der Geestdörfer zur „friesischen Freiheit“ gehörende „Upstrecksrecht“. Dieses erlaubte einem Bauer, den ihm gehörenden Landstreifen beliebig nach hinten in das „herrenlose“ Moor zu erweitern, bis er auf das Land eines anderen traf. Die ostfriesischen Fürsten bestritten dieses Recht, waren aber zu schwach, ihre Position wirksam durchzusetzen, so dass gerade die nördliche Ausweitung des Fehngebiets stark durch die dort lebenden Bauern behindert wurde. Erst als die preußische Krone 1744 die Herrschaft über Ostfriesland antrat, schaffte sie das Upstreckrecht ab mit dem 1765 herausgegebenen Urbarmachungsedikt. Damit wurden alle noch unbewirtschafteten Flächen zum Eigentum des Staates erklärt, was eine sichere und verlässliche Erweiterungsmöglichkeit für die Fehne bedeutete.
Winterfreuden
Schulen und Kirchen
Die Einwohner von Westgroßefehn bleiben bei ihrer Muttergemeinde Timmel
Religionsunterricht vom Schulmeister
Die schulische und religiöse Betreuung neuer Kolonisten wurde in Ostfriesland stets den schon bestehenden Geestdörfern aufgebürdet. Großefehn war kirchlich und damit auch schulisch dem Geestdorf Timmel zugeordnet.
Hier kam es schon bald nach seiner Gründung zu ersten Bestrebungen, eine eigene Schule zu errichten. Das wude nicht gern gesehen. Timmel betrachtete zwar die Fehnkolonisten selbst oft kritisch, aber wollte deshalb nicht auf deren Schulgelder und Kirchenabgaben verzichten.
Der erste Erfolg auf diesem Gebiet war die Anstellung eines Schulmeisters im frühen 18. Jahrhundert. Er unterrichtete – wie damals üblich - nicht nur Lesen und Schreiben, sondern war auch für den religiösen Unterricht der Kinder verantwortlich.
Je weiter sich der Kanal ins Moor hineinfraß, umso länger wurde der Schulweg für die Kinder. So wurden auf dem Weg ins Hochmoor hinein immer wieder neue Schulen (die Schulen I-V) auf dem Fehn gebaut und unterhalten.
Im Gegensatz zur frühzeitig gelösten Schulfrage ließ die Errichtung einer eigenen Kirchengemeinde – auch weil der Religionsunterricht für Kinder vom Schulmeister miterledigt wurde – lange auf sich warten. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts stiegen die Einwohnerzahlen so hoch, dass aus zwei der mittlerweile drei Großefehntjer Schulgemeinden 1865 das Kirchspiel Mittegroßefehn gebildet wurde. Die Einwohner von Westgroßefehn entschieden sich jedoch, bei der ursprünglichen Muttergemeinde Timmel zu bleiben. Auf der Sandhöchte in Mittegroßefehn wurde die neue Kirche gebaut. Ihr erster Pastor war Johann Heinrich Leiner. Seit 2018 ist die Kirche nach ihm benannt. Weitere Kirchengemeinden wurden im 20. Jahrhundert gegründet und erhielten neue Kirchenbauten vor Ort.